Ein Mensch ist erst vergessen,
wenn sein Name vergessen ist
Leitmotiv
des Stolperstein-Initiators
Gunter Demnig

Adolf Becker

* 18811941

Hagedorn 8, Stade

Hier wohnte
Adolf Becker
JG. 1881
Eingewiesen 1939
Rotenburger Anstalten
1941 'Heilanstalt'
Weilmünster
Ermordet 1.11.1941

Biografische Informationen

Adolf Becker wurde am 19. Juni 1881 als Sohn eines Tischlermeisters geboren und wuchs in der Löffelstraße auf. 1909 wurde er nach dem Tod beider Eltern zum Vollwaisen und lebte mit seinem Bruder Fritz zusammen.

Adolf Becker war offenbar schon in seiner Jugend behindert und pflegebedürftig. Als sein Bruder im Jahr 1921 starb, nahm ihn die Familie des Bäckermeister Friedrich Brandt im Haus Hagedorn 8 auf.

Am 8. März 1939 musste Adolf Becker abermals sein vertrautes Lebensumfeld verlassen und wurde in die "Rotenburger Anstalten" gebracht, wo seit dem Jahr 1880 behinderte Menschen untergebracht waren. Die genauen Umstände der Einweisung sind nicht bekannt.

Als Adolf Becker 1939 nach Rotenburg kam, war das Leben dort bereits schwierig, denn die kriegsbedingte Teilräumung der Anstalten für Lazarettplätze stand bevor. Zudem hatte mit Kriegsbeginn die "Euthanasie"-Aktion begonnen, die die planmäßige Erfassung und Vernichtung "unwerten" Lebens zum Ziel hatte. Im Juli 1940 erhielt auch der Leiter der Rotenburger Anstalten Fragebögen zur Erfassung der einzelnen Kranken. Dass sich hier die Durchsetzung der von den Nationalsozialisten propagierten "Ausmerzung von Gemeinschaftsunfähigen" andeutete, muss ihm wohl bewusst gewesen sein, denn er versuchte die Meldungen hinauszuzögern.

Im April 1941 begutachtete schließlich eine "Psychaterkommission" die Rotenburger Anstalten und fällte innerhalb von nur vier Tagen Entscheidungen über den Verbleib von 1.150 PatientInnen. 140 Personen mussten daraufhin im Juli und August in zwei gesonderten Transporten in die Landesheilanstalt Weilmünster überstellt werden. Zusammen mit Adolf Becker musste auch Peter Jagemann aus Stade die Rotenburger Anstalten verlassen.

Weilmünster war zunächst als Durchgangsstation für den Weitertransport in die Tötungseinrichtung Hadamar vorgesehen. Am 22. August 1941 wurden dort jedoch die Ermordungen in den Gaskammern offiziell eingestellt. So blieben die Neuankömmlinge aus Rotenburg in der hessischen Klinik, hatten aber unter den dortigen extrem schlechten Bedingungen zu leiden.
Von den 140 aus Rotenburg verlegten Patienten starben 70 Männer und 61 Frauen in Weilmünster an den Folgen von Unterernährung oder der medizinischen und pflegerischen Vernachlässigung unter katastrophalen hygienischen Bedingungen[1]. 9 Frauen wurden in die "Tötungsantalt" Hadamar deportiert und kamen dort zu Tode.
Zwischen 1940 und 1945 wurden von den aus den Rotenburger Anstalten verlegten 819 Menschen nachweislich 517 getötet.

Adolf Becker überlebte in Weilmünster nur drei Monate. Er starb dort am 1. November 1941.

 

  • [1] Angaben zitiert nach: "Zuflucht unter dem Schatten Deiner Flügel - Die Rotenburger Anstalten der Inneren Mission in den Jahren 1933-1945", hrsg. von Rotenburger Werke, Rotenburg (Wümme) 1992, S.62

Der Stolperstein für Adolf Becker

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