Ein Mensch ist erst vergessen,
wenn sein Name vergessen ist
Leitmotiv
des Stolperstein-Initiators
Gunter Demnig

Johanna Schragenheim

* 18591942

Salzstraße 16, Stade

Hier wohnte
Johanna
Schragenheim

Jg. 1859
Deportiert 1942
Theresienstadt
Tot 26.9.1942

Biografische Informationen

Johanna Schragenheim wurde am 29. Januar 1859 in Hameln als Tochter der Eheleute Abraham und Rosalie Schragenheim geboren[1].

Seit 1886 lebte sie in Stade und brachte hier eine Tochter zur Welt. Sophie Dorothea Johanne wird am 4. März 1887 geboren. Nur wenige Wochen nach der Entbindung zieht die Mutter am 30. April - vermutlich zum Vater des Kindes - nach Hamburg. Ihr Kind gibt Sie in die Familie des Buchdruckers Jantzen in Pflege.

Am 20. Februar 1889 wird Dorothea evangelisch-lutherisch getauft. Die Mutter, Johanna Schragenheim, damals selbst noch Angehörige des jüdischen Glaubens, soll der christlichen Taufe ausdrücklich zugestimmmt haben. Zudem soll ihre Heirat mit dem christlichen Kindsvater in Aussicht gestanden haben. Der Umstand war offenbar derart bemerkenswert, dass er im Kirchenbuch der Gemeinde ausdrücklich erwähnt wird.
Johanna Schragenheim bleibt dann entgegen der dokumentierten Erwartung unverheiratet.

Im Jahr 1892 zieht sie von Hamburg zurück nach Stade und nimmt Tochter Dorothea wieder zu sich. Sie arbeitet fortan als Schneiderin und wohnt alleinerziehend zunächst in der Kehdinger Straße, später in der Freiburger Straße.

Tochter Dorothea verlässt bereits 1903 - gerade einmal 16-jährig - den mütterlichen Haushalt und zieht nach Hannover. Obwohl sie gemäß der NS-Ideologie als "Halbjüdin" galt und ab 1993 der Verfolgungsgefahr durch die Nationalsozialisten ausgesetzt war, konnte sie den NS-Staatsterror und den Zweiten Weltkrieg überleben.

Die Mutter selbst, obwohl mittlerweile ebenfalls zum christlichen Glauben übergetreten - entkommt der Verfolgung nicht.

Als Schneiderin war Johanna Schragenheim in verschiedenen Stader Haushalten tätig. Oft hat sie dabei auch den Kindern bei den Schulaufgaben geholfen. Sie muss eine geschätzte und angesehene Person in der Stadt gewesen sein. Dennoch erlebt sie nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Ausgrenzung und Diskrimierung und muss mehrfach unfreiwillig ihre Wohnung wechseln.

Am 7.Oktober 1941 zieht sie in das Haus des jüdischen Viehhändlers Fritz de Jonge. In dessen Haus Im Neuwerk 4 waren 1939/40 bereits mehrere Mitglieder der kleinen Stader jüdischen Gemeinde einquartiert worden.
(Wie anderenorts auch verfolgten die Nationalsozialisten zunächst das Ziel, jüdische Mitbewohner in sog. "Judenhäuser" abzuschieben und dort zu isolieren. )

Nur zwei Monate nach ihrem Einzug bei Familie de Jonge muss Johanna Schragenheim die Unterkunft am 19. November 1941 wieder verlassen. Sie erhält ein Zimmer bem Milch- und Gemüsehändler Behrens in der Salzstraße 16. Dies ist ihr letzter Wohnort in Stade.

Am 22. Juli 1942 wird Johanna Schragenheim abgeholt. Ihr letzter Leidensweg führt zunächst in das jüdische Alternsheim nach Bremen, tags darauf wird sie mit weit über 100 weiteren Juden über Hannover nach Theresienstadt deportiert.

Johanna Schragenheim überlebt in Theresienstadt kaum mehr als zwei Monate. Sie stirbt dort am 26. September 1942.

  • [1] In "Die Dokumentation der Opfer der NS-Herrschaft in der Stadt Hameln und im Landkreis Hameln-Pyrmont" lautet der Eintrag zu Johanna Schragenheim:
    Schragenheim, Johanna, wurde am 29. Januar 1859 in Hameln als Tochter der Eheleute Abraham und Rosalie Schragenheim geboren. Aus Hameln zog sie nach Stade, später von Stade nach Düsseldorf. Johanna Schragenheim wurde am 23. Juli 1942 aus Düsseldorf in das Altersghetto Theresienstadt deportiert. Dort starb die 83jährige Frau am 20. September 1942.
    Eintrag zu Johanna Schragenheim bei www.geschichte-hameln.de

Der Stolperstein für Johanna Schragenheim

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