Ein Mensch ist erst vergessen,
wenn sein Name vergessen ist
Leitmotiv
des Stolperstein-Initiators
Gunter Demnig

Diedrich Matthies

* 18891940

Inselstra├če 4, Stade

Hier wohnte
Diedrich Matthies
Jg. 1889
Zeuge Jehovas
Mehrfach verhaftet
1939 Sachsenhausen
Ermordet 20.3.1940

Biografische Informationen

Diedrich Matthies wurde am 6. Januar 1889 in Stade geboren[1].

Er war der Sohn eines aus Ahlerstedt stammenden Arbeiters und wuchs in Stade auf.
Ende Januar 1915 wurde er zum Militärdienst eingezogen und kehrte erst im Jahr 1920 aus Kriegsgefangenschaft wieder nach Stade zurück.
Er blieb unverheiratet.

Um 1910: Blick vom Pferdemarkt auf die Kreuzung Inselstrasse-Stockhausstrasse[2]. Die Wohnung von Diedrich Matthies lag vermutlich im Haus hinter dem Gasthof.

Der Arbeiter gehörte offenbar zu den aktivsten Mitgliedern der kleinen Gemeinde der Zeugen Jehovas. Die "Ernsten oder Internationalen Bibelforscher", die sich seit 1931 "Zeugen Jehovas" nannten, waren unter der nationalsozialistischen Herrschaft als erste Glaubensgemeinschaft bereits 1933 in den Ländern verboten worden. Das Verbot für den Landkreis Stade galt ab dem 24. Juni 1933.

In Stade und Jork lassen sich seit den 30er Jahren Bibelforscher nachweisen, erste Verfolgungsmaßnahmen sind hier jedoch bereits vor Inkfrafttreten des eigentlichen Verbots dokumentiert. Am 15.April 1933 berichtete die Lokalpresse über eine Polizeiaktion, bei der ein Mitglied der Gemeinde festgenommen wurde.

Diedrich Matthies scheint die zentrale Figur der Stader Gemeinde der Zeugen Jehovas gewesen zu sein und wurde von der Gestapo kontinuierlich überwacht und verfolgt. Nach Erinnerung von Zeitzeugen wurde er als "muskulöser, kräftiger Mann und treuer Verkündiger" beschrieben.

Diedrich Matthies (2.v.r.) auf einem Gruppenbild der Stader Gemeinschaft der Zeugen Jehovas[3]

Schon von den ersten Verhaftungen, die gegen die Stader Glaubensgemeinde der Bibelforscher gerichtet waren, war Diedirch Matthies betroffen.
Am 28. Januar 1936 wurde er festgenommen und am 11. März in das Polizeigefängnis nach Hannover transportiert.
Nach einem Verfahren vor dem Sondergericht Hannover wurde er am 4. April 1936 entlassen.

Noch im gleichen Jahr wurde Diedrich Matthies am 15. Dezember 1936 erneut verhaftet.
In einer ersten großen Flugblatt-Verteilaktion hatte die Glaubensgemeinschaft zuvor reichsweit auf ihre Unterdrückung in Deutschland aufmerksam gemacht. Erst am 18. Februar 1937 wurde er auf Anordnung der Gestapo wieder aus dem Untersuchungsgefängnis entlassen.

Die umfangreichsten Verhaftungen trafen die Stader Bibelforscher im Oktober 1937.
Diedrich Matthies wurden nun bereits zum dritten Mal festgenommen und - nach einer kurzzeitigen Verlegung in das Untersuchungsgefängnis Wesermünde-Lehe - am 1. Dezember 1937 erneut in das Polizeigefängnis Hannover überführt.

Am 8. Dezember wurden die Stader Zeugen Jehovas vom Sondergericht Hannover zu unterschiedlich langen Haftstrafen verurteilt. Diedrich Matthies wurde nach der Urteilsverkündung in das Polizeigefängnis Fuhlsbüttel eingeliefert. Von dort wurde er mit weiteren Mithäftlingen in die Emslandlager deportiert.

Am 26. Oktober 1939 wurde Diedrich Matthies in das KZ Sachsenhausen verbracht.
Er verstarb dort am 20. März 1940.

  • [1] Lebensdaten und biografische Notizen nach: Schlichting/Bohmbach - "Alltag und Verfolgung - Der Landkreis Stade in der Zeit des Nationalsozialismus", Stade 2003, S.212ff.
  • [2] Das Foto wurde gefunden in: "Stade - damals und heute", Bernhard Wirtgen, Viktor und Sonja Rihsé, 2. Auflage, Stade 1985; S.75; die historische Aufnahme wurde für den Bildband vom Stadtarchiv Stade zur Verfügung gestellt.

Der Stolperstein für Diedrich Matthies

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